Zielgruppen und Ziele für digitale Barrierefreiheit

Das Internet ist das Informationsmedium Nummer 1. Immer mehr Menschen nutzen Websites und Plattformen quer durch alle Bereiche des Lebens. Nicht alle von ihnen haben dabei optimale Voraussetzungen - zumindest nicht zu jeder Zeit. Denn körperliche und geistige Beeinträchtigungen - ob dauerhaft, temporär oder nur situativ - erschweren die Aufnahme von digital angebotenen Informationen. Das müsste aber nicht sein. Denn klare Standards zur digitalen Barrierefreiheit und innovative Technologien helfen dabei, Inhalte ohne jegliche Einschränkungen an wirklich alle User zu bringen.

Digitale Barrierefreiheit bringt viele Vorteile:

Sie macht Informationen für alle zugänglich

unabhängig von individuellen Bedürfnissen, Technologien und Situationen.

Größere Zielgruppe und bessere Kommunikation

Eine barrierefreie Website vergrößert Ihre Reichweite auf einen Schlag um 15% der Bevölkerung - jene Gruppe, die sie sonst ausschließen.

Mehr Qualität und Robustheit

Ganz nebenbei verbessert sie die Qualität und Robustheit des Webauftritts durch Suchmaschinenoptimierung und eine Straffung der Inhalte.

Digitale Barrierefreiheit macht Informationen für alle zugänglich: unabhängig von individuellen Bedürfnissen, Technologien und Situationen.

Wer ist von digitalen Barrieren betroffen?

Digitale Barrierefreiheit ist kein Nischenangebot. Sie sorgt dafür, dass Inhalte auf Websites für alle User leicht verständlich und komfortabel konsumierbar sind. Besonders dient die digitale barrierefreie Umsetzung von Online-Angeboten natürlich all jenen Nutzern, die mit (temporären) Behinderungen leben. Und das sind mehr, als wir denken.

  • Rund 1 Milliarde Menschen weltweit - und damit 15% der Gesamtbevölkerung - lebt mit ständiger Beeinträchtigung: Das sagen die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation. In Österreich sind es rund 1,7 Millionen Menschen - ein Fünftel aller Österreicher - die durch Krankheit oder Behinderung auf Dauer beeinträchtigt sind.
  • Dazu kommen all jene Menschen mit temporären Beeinträchtigungen: Wer verletzungsbedingt oder durch Krankheit kurzzeitig eingeschränkt ist, zählt ebenso zur Zielgruppe digitaler Barrierefreiheit.
  • Nicht immer sind die Umstände zur Informationsaufnahme optimal. Dann spricht man von situativer Beeinträchtigung. Es reicht schon der U-Bahn-Lärm oder das Baby auf dem Arm - und die Aufnahmefähigkeit für digitale Informationen ist eingeschränkt.

Die Arten von Beeinträchtigungen sind dabei unterschiedlich. Sie reichen von Sehbehinderungen oder Blindheit über Gehörlosigkeit bis hin zu motorische und kognitiven Einschränkungen. Bei älteren Menschen treffen oft mehrere dieser Beeinträchtigungen zusammen. Für jede Zielgruppe gibt es eigene Maßnahmen, die die individuelle Nutzerfreundlichkeit von Websites verbessern.

Ohne digitale Barrieren: Einfacher als gedacht!

Usability ist das Schlagwort in der Gestaltung von Online-Auftritten. Doch für Menschen, die schlecht sehen, Schwierigkeiten beim Bedienen der Maus oder Hörprobleme haben, wird eine Website vom Tor zu Informationen rasch zur unüberwindbaren (und frustrierenden) Wand. Wer bei der Nutzerfreundlichkeit alle einschließen will, muss daher einige Grundsätze beachten. Diese orientieren sich an den Arten der Beeinträchtigung.

Fünf Grundsätze für digitale barrierefreie Websites:

  1. Blinde Menschen können Textinformation nur mit der Braillezeile ertasten oder mit der Sprachausgabe hören. Darum müssen für sie alle Informationen auch als Text vorhanden sein.
  2. Menschen mit Sehbeeinträchtigungen brauchen gute Farbkontraste und große Schriften.
  3. Für Gehörlose Menschen müssen Audio- und Videodateien mit oder durch Text ersetzt werden.
  4. Menschen mit eingeschränkter Motorik der Hände aber auch blinde Menschen steuern den Cursor meist mit der Tastatur. Diese Möglichkeit muss bei der Programmierung berücksichtigt werden.
  5. Besonders für Menschen mit Lernschwierigkeiten sind verständliche Texte ohne Fremdwörter und kurze Zusammenfassungen wichtig.

Wenn Sie diese Grundsätze auf Ihrer Website beachten, sind Sie bereits auf einem guten Weg in Richtung digitale Barrierefreiheit und Top-Usability für alle. Generell gilt: Am besten alle Inhalte so aufbereiten, dass sie mehrere Sinne bedienen und einfach verständlich sind.

Klare Regeln: Standards für digitale Barrierefreiheit

Digitale Barrierefreiheit basiert auf einer Kombination aus barrierefreien Inhalten und entsprechender technischer Umsetzung. Damit die Software am Server und beim Nutzer reibungslos zusammenarbeiten, wurden allgemein gültige Standards für digitale Barrierefreiheit definiert. Die Web Accessibility Initiative (WAI), ein Bereich des World Wide Web Consortium (W3C) hat die Aufgabe solche Standards zu definieren. Diese Regeln werden Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) genannt und sind derzeit in der Version 2.1 verfügbar. Das sind neben den vier allgemeinen Prinzipien Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Robustheit und Verständlichkeit auch konkrete Umsetzungskriterien, die eine gute Orientierung bei der Umsetzung jedes Web-Projekts bilden.