Erweiterung der Barrierefreiheit - Die neue EU-Richtlinie im Überblick

UX-Entwickler arbeitet am Whiteboard und erstellt eine Skizze einer Applikation mit Smartphone in der Hand
2. Juni 2022

Ende Juni dieses Jahres wird die neue EU-Richtlinie zur Erweiterung der Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen in nationales Recht gegossen. Die Umsetzung der Maßnahmen muss bis Mitte 2025 erfolgen. Welche Unternehmen sind betroffen? Wie können sie die Barrierefreiheit ihrer Produkte oder Services sicherstellen? Und welche zusätzlichen Chancen bietet weitreichende Barrierefreiheit? Wir haben die Antworten für Sie zusammengefasst.


Der “Europäischer Rechtsakt zur Barrierefreiheit” oder “European Accessibility Act” (EAA), wird als EU-Richtlinie zur Barrierefreiheit am 28. Juni 2022 auch in Österreich in nationales Recht umgesetzt. Ziel ist, die Barrierefreiheit wichtiger Produkte und Dienstleistungen in den EU-Mitgliedsstaaten zu standardisieren. Produkte, Geräte, Dienstleistungen oder Umgebungen, sollen einheitlich so gestaltet werden, dass Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Nutzung ermöglicht wird.

Welche Produkte und Services müssen künftig barrierefrei zur Verfügung stehen?

Bereits seit einiger Zeit sind öffentliche Stellen wie Behörden dazu verpflichtet, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. Nun erfolgt die Erweiterung auf Produkte und Dienstleistungen für Verbraucher‚ wobei der Schwerpunkt der Richtlinie auf die wichtigsten Branchen und Services gelegt wurde:

  • Banken und Versicherungen
    Produkte und Dienstleistungen wie Webseiten, auf Mobilgeräten angebotene Dienstleistungen, Geldautomaten, interaktive Selbstbedienungsterminals
  • Internet und Telefon
    Elektronische Kommunikation und Telekommunikation (Internetzugang, Telefonie, Notruf 112)
  • Computer und TV
    Audiovisuelle Medien, Hardwaresysteme inklusive Betriebssystemen wie Personal Computer, Smartphones, Tablets, E-Book-Reader, TV-Geräte
  • Flug-, Bus-, Bahn- und Schiffsverkehr
    Webseiten und auf Mobilgeräten angebotene Dienstleistungen, interaktive Selbstbedienungsterminals, elektronische Tickets und elektronische Ticketdienste, Bereitstellung von Informationen in Bezug auf einen Verkehrsdienst
  • Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr „Online-Handel“

Barrierefreiheit als Chance

In vielen Unternehmen wird Barrierefreiheit oft eher als Bürde und nicht als Chance betrachtet. Ist aber das Bewusstsein über die Möglichkeiten, die sich durch barrierefreie Produkte und Dienstleistungen bieten, erst einmal im Unternehmen vorhanden, sind sowohl die initiale Umsetzung als auch die laufende Gewährleistung der Barrierefreiheit meist von überschaubarem Aufwand.

Barrierefreie Services anzubieten, erscheint besonders dann einfach logisch, wenn man dem Aufwand die Größe der potenziellen Zielgruppe gegenüber stellt, die mit barrierefreien Angeboten besser oder gar erstmals erreicht werden kann.

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Wie stellen Unternehmen die Barrierefreiheit ihrer Produkte oder Services sicher?

Der erste Schritt, um Produkte und Dienstleistungen fit für die neue EU-Richtlinie zu machen, ist die Analyse der Ist-Situation. Oft wurden bereits erste Maßnahmen in Richtung Barrierefreiheit umgesetzt oder bereits bei der Entwicklung angedacht. Aus der Ist-Analyse ergeben sich Optimierungsvorschläge für inhaltliche und technische Umsetzungen, aber auch für Maßnahmen um Barrierefreiheit langfristig in den Prozessen zu verankern.

Eine Organisation ist langfristig und erfolgreich barrierefrei, wenn Barrierefreiheit gelebt und nicht als einmaliges Projekt betrachtet wird.— Matthias Hinner, Geschäftsführer von Earlybird

Die potenzielle Zielgruppe: Jeder kennt jemanden, der…

Als “Menschen mit Behinderung” gelten laut EU-Richtlinie “Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können”. Die WHO, öffnet neues Fenster (Englisch) schätzt, dass in der EU insgesamt 135 Millionen Menschen mit einer Behinderung leben. Im Jahr 2015 erhob die Statistik Austria, öffnet neues Fenster, dass in Österreich etwa 18,4 Prozent der österreichischen Wohnbevölkerung mit einer Behinderung leben. Das sind hochgerechnet etwa 1,3 Millionen Personen, eine Gruppe, die auch aufgrund der alternden Bevölkerung immer größer wird.